Reggae mer uns net uff

Einige Menschen in meinem Bekanntenkreis haben sehr weit rechts gewählt. Ich kann auch nicht verstehen, warum sogar Behinderte auf deren Parolen angesprungen sind. Aber würde ich sie jetzt aussortieren, begäbe ich mich auf dasselbe Niveau, wie diejenigen, die anders Denkende, Aussehende, oder Sprechende als unwert bezeichnen. Nein, unsere Aufgabe muss es jetzt sein, auf diese Menschen zuzugehen, ihre Motive zu erfragen und ihnen unsere Werte näher zu bringen.

Das sollte doch in vier Jahren zu schaffen sein, oder?

Wenn unsere Demokratie nicht stark genug ist, um ein paar Krakehler auszuhalten, dann haben wir etwas falsch gemacht.
Ich persönlich werde niemanden jagen und lasse mich auch nicht heim ins Reich holen. Da bin ich nämlich schon. Nur dass mein Reich inzwischen demokratischer, toleranter und freier ist, als es in seiner Geschichte je war.

Dass es hier immer etwas zu verbessern geben wird, kann jeder Häuslebauer nachvollziehen.

Also, Ärmel hochkrempeln und versuchen, etwas von der jamaikanischen Lässigkeit anzunehmen. Es gibt viel zu tun und ein bisschen Reggae dabei kann nicht schaden.

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Kleine Begebenheiten, die das Leben abwechslungsreich gestalten

Es ist schon etwas her, aber noch so präsent, als wäre es gestern gewesen.

In der Nähe meines Elternhauses liegt eine Driving Range. Das ist ein Trainingsgelände für Golfer, auf dem sie ihre Abschläge üben können. Die ist für Rollstuhlfahrer zwar nicht so geeignet, aber das dazugehörige Restaurant ist richtig gut.

Während ich Richtung Eingang rolle, fällt mir ein Golfer auf, der aus einem Katalog entsprungen sein könnte. Batschkapp, Dreiviertelhose, karierte Strümpfe und nicht ein einziges Stäubchen auf der Schlägertasche.

Ich höre, wie er seine Begleiterin fragt, was denn dieses Gesocks hier soll. Sein leicht angeekelter Gesichtsausdruck und die Kopfbewegung in meine Richtung lässt keinen Zweifel daran, dass er mich meint. Seiner Begleiterin ist anzusehen, dass sie die Bemerkung mehr, als unpassend findet.

Na, dir geb ich, mein Freund!
Ich rolle zu ihm hinüber, und frage ihn, was er mit dieser Anfängerfrage denn meint. So neu, wie seine Sachen aussehen, muss er bestimmt den Unterschied zwischen einem Putter und einem Holz im Internet recherchieren.
Ich könne da nicht mitreden, meint er von oben herab.
„So? Ich habe ein Handicap von zwei und Sie?“
Mit großen Augen lässt er sein Kinn auf Brusthöhe herunterklappen.
Ein Geräusch zwängt sich aus seiner Kauleiste, das sich anhört, wie: „Äh, zwei?“
„Ja“, entgegne ich im Plauderton. „Mein linkes Bein und mein rechtes Bein.“

Während er sich noch am Kinn kratzt, bricht seine Begleiterin vor Lachen zusammen.
Das scheint zu ihm durchzudringen. „Los, komm!“, fährt er seine Begleiterin an und entschwindet in Richtung seines offenen Kleinwagens aus Zuffenhausen, der auf dem Behindertenparkplatz steht. Ich will ihm noch hinterherrufen, dass diese Parkplätze nur für KÖRPERbehinderte sind. Aber nachher platzt er noch vor Wut und ich muss die Parkplatzreinigung bezahlen. Also halte ich besser meine Klappe. Seine Begleiterin schenkt mir ein breites Grinsen und einen hochgestrecken Daumen und stöckelt ihm hinterher.

Hatte ich erwähnt, dass ich eigentlich von Golf bis auf ein paar aufgeschnappte Fachbegriffe absolut keine Ahnung habe?

Irgendwie hat mir das Essen an dem Tag noch ein bisschen besser geschmeckt

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Rassismus in Deutschland?

Als ich noch besser zu Fuß war, arbeitete ich gerne in Auslandsprojekten. Andere Kulturen kennenzulernen und es auch noch bezahlt zu bekommen, war nicht die schlechteste Möglichkeit, für die Miete zu sorgen. Während eines Projekts in Lateinamerika traf ich auf eine schwarze Texanerin. Ihre Geschichten über die heute noch existierende Rassenproblematik konnte ich zunächst kaum glauben. Zumindest hielt ich sie für stark übertrieben.

Ich bin in der Nähe einer Housing Area der US Streitkräfte aufgewachsen und habe mit Kindern aller Hautfarben gespielt. Für mich war es selbstverständlich, dass Menschen unterschiedlich aussehen und sprechen. Unsere gemeinsame Sprache entwickelte sich ganz natürlich aus unseren Spielen. Rassismus gehörte nicht zu unserem Wortschatz. Das einzige, das unseren Umgang mit anderen beeinflusste, war die Art, wie sie uns behandelten. Viele brachten auch eigene Spiele aus ihrer Kultur mit. Unsere Rasselbande war wie eine Türe Smarties, einfach bunt.

Neue Kinder brachten immer auch neue Ideen und neue, faszinierende Spiele mit. Manche trugen andere Kleidung oder Kopfbedeckungen. Das war eben so. Andere kamen Freitag, Samstag oder Sonntag nicht raus zum Spielen. Schön war es, wenn sie von zu Hause etwas zu Essen mitbrachten. Meistens war es süß und ziemlich klebrig. Einmal brachte ein Mädchen eine Dose mit, aus der sie begeistert einen furchtbar stinkenden Fisch zog. Ihrem Gesicht nach musste der eine Geschmackssensation sein. Vorsichtig probierte ich ein winziges Stück. Sensationell war das schon, aber nicht auf die Art, die ich erwartet hatte. Selbst jetzt, da ich diese Zeilen Jahrzehnte später schreibe, habe ich wieder diesen entsetzlichen  Geschmack im Mund. Unser Verhältnis kühlte für die nächsten Stunden etwas ab. Nachdem sie einige Tage später das leckerste Lakritz mitbrachte, das ich bisher gegessen hatte, waren wir wieder allerbeste Freunde.

Andere Menschen mögen sich anders kleiden, andere Feiertage oder Ernährungsgewohnheiten haben. Deswegen müssen sie aber keine besseren oder schlechteren Menschen sein. Dieses Credo sog ich praktisch während meiner Kindheit auf.

Umso mehr Unglauben brachte ich den Geschichten meiner texanischen Kollegin entgegen. Natürlich hatte ich schon über Rassentrennung und -Diskriminierung gelesen. Es ist aber ein Unterschied, ob man von etwas liest, oder es von Betroffenen berichtet bekommt. Später sollte ich sogar direkt erleben, wie es sich anfühlt. Dass es so etwas in meiner Heimat geben sollte, in einem Land, in dem die Gleichheit sogar im Grundgesetz verankert ist, lag jenseits meiner Vorstellungskraft.

Heute wird Menschen, die sich schutzsuchend an uns gewandt haben, das Dach über dem Kopf angezündet.  Andere werden gejagt, verprügelt, ja sogar getötet, nur weil sie anders aussehen. Horden ziehen durch die Straßen, skandieren: „Deutschland den Deutschen“.

Ist das noch mein Deutschland? Das Land von Toleranz, Religions- und Gedankenfreiheit?

Klar ist es das! Nur, weil sich bildungsresistente Arschlöcher aufführen, wie die Axt im Walde, werde ich mit Sicherheit nicht Deutschland und die Deutschen pauschal verurteilen. Da wäre nämlich ebenfalls Diskriminierung und würde mich auf eine Stufe mit den Wutbürgern stellen.

Aber es wird Zeit, dass wir diese trotzigen Kinder mal zur Ordnung rufen, die die Geschichte nicht verstanden haben. Zur Not brauchen die auch mal einen kleinen Klaps auf die Finger.

Damit mein Deutschland wieder das Land der Freiheit, des Wissens  und der Toleranz wird in dem Dinge, wie Rassismus undenkbar sind.

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Von Behinderungen, Handicaps und Einschränkungen

Vorhin habe ich mich wieder aufgeregt. In einem Internet-Forum wollte man mal wieder Behinderten erklären, das Wort behindert sei etwas Schlechtes. Manche haben wegen ihrer Behinderung sowieso schon ein nicht besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Wenn man denen noch die Minderwertigkeit einimpft, dann trauen sie sich nicht einmal mehr, auf dem Behindertenparkplatz zu parken. Sie haben ja bloß eine kleine Einschränkung.

So ein Quatsch! Das ist genauso ein Kokolores, wie Behinderte jetzt politisch korrekt als Menschen mit Behinderung zu bezeichnen.

Menschen mit Behinderung sind in erster Linie Menschen und erst dann behindert. Also warum muss denn dann so vehement auf dem Aspekt Mensch herumgetrampelt werden? Als was habt ihr uns denn bisher gesehen? Als Küchenstühle?

Ja, ich bin behindert. Und weiter? Ich bin gleichzeitig auch Brillenträger, hetero, Europäer, Mann, grauhaarig, Vater, Sohn – ach ja: und Mensch.
Nicht auch Mensch oder nur Mensch – einfach Mensch.

Ich muss auch nicht ständig in der Mitte der Gesellschaft stehen, wie das so viele verlangen. Da glotzen mich bloß alle an. Irgendwo zwischendrin ist vollkommen in Ordnung.

Und wenn 15-jährige Schulabbrecher das Wort behindert in negativem Kontext benutzen, dann geht mir das kilometerweit an dem Körperteil vorbei, mit dem ich mein sündhaft teures Sitzkissen plattdrücke. Im selben Kontext verwenden diese Versager auch die Worte erfolgreich, zielstrebig und wissensdurstig. Nein, ich glaube, letzteres verwenden die überhaupt nicht. Ist ihnen zu schwer, vong Sprache her.

Ja, ich bin behindert. Und wie das geht!

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Leben im Liegen

Jetzt ist es ein gutes Jahr her, dass ich mich zum Ausheilen eines eigentlich kleinen Dekubitus in dieses Bett gelegt habe. Dummerweise hatte der Kleine einen großen Bruder, der sich direkt unter ihm versteckte. Sackgesicht, hinterhältiges!

Durch die Narben der vielen OPs sieht der Körperteil, mit dem ich meine Sitzkissen platt drücke, sowieso schon aus, wie der Stadtplan von Alt-Jerusalem. Da kommt es auf die eine oder andere Narbe mehr auch nicht mehr an. Suboptimal dabei ist, dass Narbengewebe bei einer erneuten Verletzung heilungstechnisch keine Geschwindigkeitsrekorde bricht. Verdauungsprobleme direkt neben einer offenen Wunde sind dabei auch nicht unbedingt heilungsfördernd. Wenigstens ist mir bisher das Krankenhaus erspart geblieben. Das ist doch schon mal was!

Und so heißt es, Geduld zu üben, während das Leben vor dem Fenster an dir vorbei zieht. Für meinen Brötchengeber muss ich dabei eine Lanze brechen. Er versorgt mich mit Arbeit, die ich auch vom Bett aus erledigen kann. Nur das Unterrichten funktioniert so nicht. Schade eigentlich, denn das ist eine durchaus befriedigende Tätigkeit. Aber die Ersatzlösung, die wir gefunden haben, ist auch nicht schlecht.
Gar nicht schlecht!

Ich habe mir immer gewünscht, einmal vom Schreiben meine Miete bezahlen zu können. Und wieder einmal bewahrheitet sich die alte Warnung, die schon so vielen in den Mund gelegt wurde: „Bedenke worum du betest. Du könntest es bekommen.

Meine Freunde sagen, ich würde sie beeindrucken, weil ich weiter meiner Arbeit nachgehe und meine Ehrenämter erfülle. Wobei nachgehen doch leicht übertrieben ist. Nachliegen ist aber auch nicht gerade der Brüller.

Freunde, das ist reiner Selbstschutz! In manchen Situationen kann ein gewisser Fatalismus die Sache ungemein erleichtern. Verbindet man das mit einer guten Portion Galgenhumor, lässt es sich fast aushalten.

Was bleibt einem auch anderes übrig? Als bettlägerischer Querschnitt aus dem Fenster zu hopsen, ist ein nur schwer zu realisierendes Unterfangen. Und als Bewohner einer Parterrewohnung ist es auch nicht gerade zielführend. Außerdem bin ich viel zu neugierig auf morgen.

Meine Chefs, meine Kollegen und nicht zuletzt meine Familie lassen ohnehin keine Langeweile aufkommen – im Geigentul, die kennen da nichts. Nur mein Ehrenamt in unserer Gemeinde behandle ich momentan etwas stiefmütterlich. Aber Sitzungen gehen eben grad nicht – auch kein schlechtes Wortspiel. Vielleicht kriege ich ja unseren Bürgermeister dazu, gelegentlich eine Liegung einzuberufen. Bei den ollen Römern hat das ja auch funktioniert.

Eine andere Arbeitsweise habe ich mir angewöhnt. Wenn ich an einem komplizierten Artikel arbeite, dann mache ich schon mal zwischendrin die Augen zu. Dafür habe ich immer etwas zum Schreiben auf dem Nachttisch liegen, wenn ich nachts nicht schlafen kann.

Das Klavierspielen fehlt mir ein wenig. Ich habe mir schon Gedanken über eine Art mobiles Gerüst gemacht. Aber da hat meine Zimmerlinde vehement Einspruch eingelegt. Man muss kein Statiker sein, um festzustellen, dass die Deckenkonstruktion einer Mietwohnung das nicht besonders prickelnd fände.

Interessant ist, wie sich der Körper verändert. Die beiden Schaschlikstäbchen an meinen Schultern lassen sich nur mit viel Phantasie noch als Arme bezeichnen. Das wird mich irgendwann mal etliche Kilometer Handbike kosten, bis die dem Namen wieder gerecht werden.

Meine Essensportionen haben sich auch verkleinert. Gut, allzu viele Kalorien verbrenne ich derzeit nicht. Und Klamotten spare ich! Ab und zu staube ich meine Schuhe ab, das war’s.

Auch meine Schreibe hat sich verändert. In meinem aktuellen Abenteuerroman hänge ich seit Monaten zwischen Kapitel drei und vier fest, wie in einem kaputten Aufzug. Dafür sprudeln philosophische Texte geradezu aus meinen Fingern in die Bildschirmtastatur meines betagten Tablets.

Bis es im Sommer richtig warm wird hoffe ich, wieder länger aufstehen zu können. Mal ein paar Tage im Bett zu verbringen ist jetzt nicht so schlimm. Aber so langsam würde ich gerne mal wieder am Leben draußen teilnehmen.

Na ja, die Übersetzung des lateinischen Wortes Patient heißt nicht umsonst der Geduldige.

Irgendwann werde ich wieder mit meinem Rollstuhl die Gegend unsicher machen und vermutlich froh sein, wenn ich abends ins Bett darf.

Selbstmitleid kann vielleicht für den Moment ganz erholsam sein, aber es lenkt nur davon ab, aus wirklich jeder Situation etwas für sich Positives herauszuholen. Genau das ist es nämlich, was uns Menschen trotz fehlender Panzer, Klauen und ohne nennenswertes Fluchtverhalten seit Jahrtausenden überleben lässt.

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Was ist eigentlich ein Christ?

Jetzt zur Osterzeit ist wieder das Christentum in aller Munde. Doch was macht eigentlich einen Christen aus?
Ich selbst versuche, mein Leben nach christlichen Grundsätzen zu gestalten.
Doch was sind christliche Grundsätze? In die Sprache unserer Zeit übertragen, sind zumindest meine schnell formuliert.

  • Vertragt euch untereinander
  • Helft den Schwächeren
  • Bleibt bei der Wahrheit
  • Seht niemanden als besser oder geringer an
  • Respektiert die Meinung, die Unversehrtheit und das Eigentum der anderen – ungeachtet von Geschlecht, Hautfarbe, Sprache, Lebensmodell oder Glaube

Oder noch kürzer: Geht euch nicht auf den Sack!

Für mich ist der Atheist, der an einer Unfallstelle hält, um zu helfen, viel mehr Christ, als der Bischof, der sich für etliche Millionen eine schicke Residenz einrichtet.

Die zehn Gebote, die der Legende nach Moses auf dem Berg Sinai erhielt, sind kurz und knapp formuliert und nicht interpretierbar.

Du sollst nicht töten. Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut. Wer sich nicht ganz sicher ist, Tante Google kennt sie alle.

Daran ist nichts herumzudeuteln, das muss auch nicht diskutiert werden. Das ist klar und eindeutig. Diese Altmännerorganisation, bei der ein Mensch sogar mit der Interpretation dieser zehn Punkte promovieren oder habilitieren kann – hat die wirklich verstanden, worum es hier geht?

Nach demselben Prinzip wurde übrigens auch das deutsche Grundgesetz geschaffen.
Die Würde des Menschen ist unantastbar – nicht die Würde des weißhäutigen Menschen, die Würde des Mannes oder die Würde des deutsch sprechenden Menschen. Die Würde des Menschen  – aus und fertig. Da gibt es nichts zu interpretieren. Vielleicht sind deswegen solche Werke, wie das Bürgerliche Gesetzbuch, komplett disponibles Recht. Über 2300 Paragraphen, die sich einzeln durch Verträge aushebeln lassen. Und was steht drin? Du sollst deinen Nächsten nicht über den Tisch ziehen – nur ein klein wenig ausführlicher formuliert.

Ich habe die Illustration gewählt, wie ein Mensch, der als Gottes Sohn bezeichnet wird, einem anderen die Füße wäscht. In diesem Fall ist es Petrus, dem diese Dienstleistung zugute kommt. Gottes Sohn? Genau dieser sagte, wir alle sind Kinder Gottes, Töchter und Söhne.

Oder wie es Rabbi Jeschuah Ben Marryam sagte: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Ob es den Menschen Jesus von Nazareth wirklich gab?

Wen interessiert’s?
Wichtig ist die Botschaft: „Vertragt euch und helft den Schwächeren.“

Ob wir nun Jahwe sagen, Jehova, Allah, Manitu, Hiawatha, Gaia, Universum, Schicksal oder einfach nur Gott – ist es nicht bemerkenswert, dass sich eine zentrale Kraft unabhängig von der Entstehung durch fast alle Glaubensgemeinschaften zieht?

Hab ich noch nicht gesehen, das ist nicht bewiesen, wer soll das sein? Das haben wir schon alle gehört. Wozu Beweise? Schließlich heißt es doch Glaube. Und wer daran glaubt, dass dort etwas sein könnte, benötigt keinen Beweis. Im Gegenteil – ist der Beweis erbracht, dann ist der Glaube obsolet.

Also, ich kann mir durchaus vorstellen, dass es dort draußen mehr gibt, als sich unsere Schulweisheit träumen lässt.

Bin ich deswegen ein Christ? Ein Glaubender? Ein Suchender?

Ich versuche, mich mit meinen Mitmenschen zu vertragen.
Ich versuche, Schwächeren nach meinen Möglichkeiten zu helfen.
Ich versuche, meine Nachbarn genauso zu respektieren, wie sie sind.
Ich versuche, meinen Mitmenschen so wenig, wie möglich auf den Sack zu gehen.

Ist es das, was einen Christen ausmacht?

Ich glaube, schon.

 

 

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Gedanken zum Welttag der Menschenrechte

Heute ist der Welttag der Menschenrechte. Im Jahr 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen die Erklärung der Menschenrechte. Gewisse Grundrechte stehen allen Menschen zu, alleine durch die Tatsache, dass sie Menschen sind. Das mag vielleicht für irgendwelche Bananenrepubliken gelten, bei denen Kinder Sklavenarbeit leisten müssen oder Behinderte schamvoll versteckt werden. In unserem offenen und aufgeklärten Land sind doch bestimmt die Menschenrechte kein Thema mehr.

Ich bin da gar nicht so sicher. Während buddhistische Tempel gerade noch so als Kuriosität betrachtet werden, lösen geplante muslimische Gebetshäuser fast schon bürgerkriegsähnliche Zustände aus.

Homosexuelle Lebensgemeinschaften werden auch heute noch massiv diskriminiert.

In vielen Firmen werden Frauen und Männer für dieselbe Arbeit unterschiedlich bezahlt.

Die freie Wahl des Aufenthaltsortes gilt für Menschen mit Pflegebedarf bald nur noch so lange, wie es dem Kostenträger gefällt. Ist eine Heimunterbringung billiger, droht Zwangseinweisung ins Heim. Schauen wir mal, ob nach Passieren des Bundesrats dieser Passus noch im neuen Teilhabegesetz steht.
Die Zustände in manchen Pflegeheimen haben mit der Charta der Menschenrechte ohnehin kaum etwas zu tun. Einlagerungsbetriebe würde fast besser passen.

Flüchtlingsunterkünfte brennen ab, nur weil die Menschen dort eine andere Hautfarbe, Sprache oder Religion haben.

Die Menschenrechte gelten für alle Menschen, ungeachtet von Hautfarbe, Sprache, Religion, sexueller Orientierung oder Behinderung.
Der Begriff: „Alle Menschen“ ist auch nicht interpretierbar. Alle bedeutet schlicht und ergreifend alle – ohne Ausnahme.
Für alle Menschen auf der ganzen Welt, also auch hier.

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Der Tag der Einheit – für mich ganz besonders

Immer am Tag der Deutschen Einheit muss ich an meine frühe Kindheit denken. Warum? Ich wurde am Tag der Einheit geboren. Der lag über 30 Jahre lang im Frühsommer, was heute nicht mehr viele wissen.

Als kleiner Stöpsel fand ich es ganz toll, dass alle Leute frei hatten, nur weil ich Geburtstag habe. Mein Vater musste unglaublich einflussreich sein. Und immer pünktlich zu meinem Geburtstag wuchsen Erdbeeren in unserem Garten. Heute noch ist ein Geburtstag ohne Erdbeerkuchen für mich nicht komplett.

Dann saß ich, inzwischen verheiratet, mit meiner kleinen Familie vor dem Fernseher und sah zu, wie diese hässliche Mauer plötzlich durchlässig wurde. Dieses Gefühl, als die ersten Trabbis und Wartburgs unter frenetischem Jubel der Menschen durch die Lücke fuhren. Alleine der Gedanke daran, Geschichte direkt miterlebt zu haben, löst heute noch eine Gänsehaut bei mir aus.

Das das nicht einfach werden würde, die nach 40 Jahren unterschiedlich gewordenen Mentalitäten zusammen zu bringen, manchen war es bewusst, dem meisten aber gleichgültig. Das Gefühl, endlich wieder ein Volk zu sein, das war uns allen wichtig. Endlich konnten wir uns als Deutsche bezeichnen, ohne diesen bitteren Nachgeschmack im Mund zu spüren.

Wenn ich heute lese, dass dieser Tag uns viel gekostet hätte, oder schlimmer noch, dass wir uns unerwünschte Elemente ins Land geholt hätten, dann packt mich die Wut. Erstens gibt es Dinge, die lassen sich nicht kalkulieren und in Zahlen fassen. Alles hat seinen Preis, es kommt nur darauf an, als wie hoch wir den empfinden. Unerwünschte Elemente hätten wir uns geholt? Nein, die waren schon da, die haben sich nur nicht getraut, den Mund aufzumachen.

Was wäre denn die Alternative gewesen? Zwei Deutschlands, die dann im Zuge der EU zusammenwachsen, daran haben einige gedacht. „Wenn die D-Mark nicht in den Osten kommt, dann kommt der Osten zur D-Mark!“ Der Spruch war allenthalben zu hören. Statt die Familie wieder zusammen zu bringen, hätten wir plötzlich 16 Millionen Flüchtlinge hier gehabt. Nein, das wieder vereinte Deutschland war dann schon die deutlich bessere Idee.

Ich feiere meinen Geburtstag dann eben etwas bescheidener, ein Preis, den ich sehr gerne bezahle – für eine demokratische und friedliche Revolution.

Für Einigkeit, Recht und Freiheit – und für das Gefühl, ein Teil gelebter Geschichte gewesen zu sein.

 

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(a)soziale Netzwerke?

So langsam hab ich die Faxen wirklich dick! Was in den so genannten sozialen Netzwerken momentan vor sich geht, da passt das Wort asozial deutlich besser. Man gewinnt fast den Eindruck, als hätten so manche ihren Kopf nur, damit es ihnen nicht in den Hals regnet.

Wahlweise wird gegen anders Denkende, Aussehende oder Glaubende polemisiert oder querbeet Hass ausgeschüttet, abwechselnd mit Angriffen auf Regierungsmitglieder unseres oder anderer Länder.
Vor weniger als hundert Jahren sind genau hier in diesem Land noch Menschen dafür gestorben, dass jetzt jeder sein Leben nach eigenem Gusto leben kann, solange er anderen damit nicht auf den Geist geht.
Jeder soll seine Meinung ungestraft äußern dürfen. Alleine für diese Forderung wurden beispielsweise die Geschwister Scholl mit dem Tod bestraft.

Heute darf in diesem Land jeder genau diese Meinung frei äußern, solange das in einem gewissen Rahmen bleibt. Aber zwischen einer Meinungsäußerung, einer Hassbotschaft oder einer Beleidigung gibt es immer noch einen Unterschied. Und das ist such richtig so.

Leute, wenn ich von jemandem behaupte, er würde den Beischlaf mit Ziegen ausüben, dann ist das eine Aussage, die dazu dient, dessen Ansehen herabzuwürdigen. Und das ist eine Beleidigung, egal, ob das ein ausländisches Staatsoberhaupt, ein verurteilter Straftäter oder Lieschen Müller aus Kleintippelshausen ist.
Und wenn verlangt wird, unsere Kanzlerin am nächsten Baum aufzuhängen, dann ist das ein Aufruf zu einer Straftat.

Was momentan über unsere Bundesregierung ausgeschüttet wird, speziell unsere Kanzlerin, das spottet ohnehin jeder Beschreibung. Vielleicht erinnert ihr euch, diese Regierung wurde von uns allen mehrheitlich demokratisch gewählt. Wer jetzt herumtönt, er habe nicht gewählt, der darf ganz schnell die Klappe wieder zumachen. Nicht mitspielen und hinterher rumnölen? Geht gar nicht.
Ich kann auch nicht alles gut heißen, was da in Berlin so verkündet wird. Aber da gibt es genügend legale Mittel, um sich dagegen zu äußern oder zu stellen.
Das beginnt bei Leserbriefen, geht über Verfassungsbeschwerden, bis hin zu Misstrauensvoten. Was wäre denn, bei der nächsten Wahl einfach mal mit zu wählen?
Auch eine legale Möglichkeit, etwas zu bewegen.

Wer in Deutschland lebende Menschen auffordert, sich wegzuscheren, nur weil sie dieselben Rechte aller hier lebenden Menschen in Anspruch nehmen, der tritt das Andenken derer in den Schmutz, die für diese Rechte ihre Freiheit oder ihr Leben geopfert haben.

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Die heimliche Diskriminierung

Quelle: Pixabay

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Als Kind habe ich gelernt, dass man(n) dem schwächeren Geschlecht gegenüber höflich gegenübertritt, die Tür aufhält, einfach generell den Beschützer gibt. Liest oder sieht man in den Medien Berichte über häusliche Gewalt, werden Männer als die prügelnden Rüpel dargestellt, während Frauen generell die misshandelten Opfer sind. Wie oft lesen wir von Gewalt gegen Frauen? Googelt man nach dem Thema häusliche Gewalt, dann sind fast alle Beiträge von diesem Bild geprägt. Eine Zeit lang habe ich gewitzelt: „Was ist denn mit den gequälten Männern?“
„Ach, die paar Weicheier fallen dich nicht ins Gewicht“, so die allgemeine Auffassung.

Bis ich durch Zufall auf eine Statistik der Kölner Polizei stieß, nach der jedes fünfte Opfer häuslicher Gewalt ein Mann ist. Sollte ich mit meiner Witzelei auf etwas gestoßen sein?

Also versuchte ich, herauszufinden, wie viele Frauenhäuser und wie viele Männerhäuser es in Deutschland gibt. Das Ergebnis war bemerkenswert: Über 400 Frauenhäusern bundesweit stehen 2 (zwei) Männerhäuser gegenüber. Kein Bedarf?

2005 veröffentlichte das Bundesfamilienministerium: „… Von körperlicher Gewalt in heterosexuellen Paarbeziehungen scheinen Männer zunächst – rein quantitativ – in annähernd gleichem Ausmaß wie Frauen betroffen zu sein …“
(http://www.bmfsfj.de/Publikationen/genderreport/10-gewalthandlungen-und-gewaltbetroffenheit-von-frauen-und-maennern.html)

Dabei gleichen Frauen die geringere körperliche Stärke durch den Einsatz von Gewaltmitteln aus, fand der US-amerikanische Forscher Murray Straus, „die gefährlich sind oder auf Distanz einsetzbar sind.“

Dann stieß ich auf eine Statistik der Berliner Polizei, nach der die Geschlechteraufteilung bei Gewalt im privaten Umfeld ziemlich ausgeglichen ist.

Eine Gruppe von Studenten ließ ein Paar Stuntleute an öffentlichen Plätzen miteinander streiten. Mal war der Mann der Aggressor, mal hatte die Frau die Oberhand. Die Reaktion der Passanten war signifikant. Während der Mann sofort angegangen wurde, sobald er die Hand hob, erntete die Frau sogar Applaus für die Schläge, die sie verabreichte.

Mein Fazit: Gewalt im privaten Bereich lehne ich persönlich generell ab, Gewalt gegen Schwächere ganz besonders. Eins ist sicher: Frauen haben in dieser Hinsicht eine definitiv bessere Öffentlichkeitsarbeit.

Meine Frau und ich haben übrigens in über 30 Jahren bisher kein einziges Mal die Hand gegenüber dem anderen gehoben. Für uns gilt eine Regel: „Gehe nie im Streit zu Bett“. So manche Nacht haben wir durchdiskutiert und uns immer geeinigt. Vielleicht, weil wir dabei nach einer Lösung suchten und nie darauf bestanden, Recht behalten zu müssen.

Und wir sind ganz normale Leute, nichts Besonderes.

 

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